IG - Intensivgruppe mit flexiblen Erziehungsangeboten

Dieses Angebot richtet sich speziell an Mädchen, die einen erhöhten Aufmerksamkeitsbedarf haben und an diejenigen, für die bisherige Beziehungs- und Betreuungsangebote in regulären stationären Wohngruppen nicht ausreichend waren.

Wir richten uns mit diesem Hilfsangebot an Mädchen und junge Frauen, die in besonders schwierige soziale Lebenslagen geraten ist. Die Ressourcen der Herkunftsfamilie und des sozialen Umfeldes reichten oft nicht mehr aus, um sie zu erziehen und zu fördern. Wir bieten in unseren Intensivgruppen auch eine Anschlussperspektive nach einer geschlossenen Unterbringung.

Angefragt werden Mädchen, die

  • anderen Personen nicht respektvoll begegnen,
  • nicht über eine ausreichende Steuerungsfähigkeit und Impulskontrolle verfügen,
  • ihrer Schulpflicht nicht nachkommen,
  • sich nicht an Regeln und Absprachen halten,
  • Drogen und Alkohol konsumieren,
  • in Konfliktsituationen verbal und körperlich aggressiv reagieren,
  • sich selbst und andere verletzen,
  • delinquente Verhaltensweisen zeigen,
  • von psychischer Krankheit bedroht sind.

Wir vermitteln erzieherischen Halt und Rückhalt durch transparente Strukturen und eine intensive, individuelle Begleitung der Mädchen.

Inhalt und Umfang der Erziehungsaufgaben orientieren sich am individuellen Bedarf.

Bei uns werden in der Regel sechs Mädchen auf einer Intensivgruppe betreut.

Auftrag / Zielsetzung
Durch die Verbindung von Alltagserleben, pädagogischer Arbeit und therapeutischen Angeboten wird der gesetzliche Auftrag umgesetzt und die im Hilfeplan nach § 36 SGB VIII vereinbarten Zielsetzungen verfolgt.

Die Gewährleistung des Kinderschutzes und die Sicherung und Umsetzung der Kinderrechte sind Bestandteil dieses Auftrags.

Zielsetzung der Maßnahme, die in der Regel bis zu 2 Jahre dauert, ist es, die Mädchen zu befähigen, sich altersentsprechend zu verhalten und sich in die Gesellschaft zu integrieren, so dass eine Rückführung in das Elternhaus oder ein Übergang in eine andere Hilfeform der Jugendhilfe gelingen kann.

Einschränkende Interpretationsmuster der Umwelt, der Verhaltensmuster und/oder Fehlinterpretationen lebensbiographischer Realitäten werden gemeinsam im pädagogisch-therapeutischen Prozess transparent gemacht und dadurch neue Haltungs- und Handlungsstrategien ermöglicht.

Die Zielsetzungen des Hilfeplans sind dabei als Maßstab gültig.

Die Mädchen werden in Fragen der schulischen und beruflichen Ausbildung, der Beschäftigung und der allgemeinen Lebensführung ressourcenorientiert begleitet, unterstützt und gefördert. Ziel hierbei ist das Erlernen von lebenspraktischen Fertigkeiten, um den Alltag selbständiger und eigenverantwortlich bewältigen und eine realistische Zukunftsperspektive entwickeln zu können.

Ziel der Maßnahme soll sein, dass die Mädchen die Möglichkeit erhalten ein sozial adäquates Verhalten zu entwickeln. Sie bekommen Hilfestellung beim Erkennen von evtl. eingeschränkten Interpretationsmuster der Umwelt, von eingeschränkten Verhaltensmuster und / oder Fehlinterpretation biografischer Realitäten, die zu Blockaden oder Stagnation in der Entwicklung führen.
Sie werden gefördert ihre Fähigkeiten zu erkennen, Selbstbewusstsein aufzubauen und eigenständige Konfliktlösungen in sämtlichen Bereichen des Alltags zu erlernen.

Generelles Ziel der Maßnahme ist das Erlernen lebenspraktischer Fertigkeiten um den Alltag selbständig bewältigen zu können. Die Mädchen werden auf eine Form der Verselbständigung oder auf eine Rückführung ins Elternhaus vorbereiten.

Die Mädchen werden in ihrer schulischen und beruflichen Ausbildung unterstützt und begleitet.

Strukturmerkmale des engbegleiteten Alltags sind wiederkehrende Rhythmen, Aufgaben und die Bewältigung von Standardsituationen, wie zum Beispiel:

  • Gestaltung und Erledigung alltäglicher Aufgaben (Aufstehen, persönliche Hygiene, Besorgungen, Nahrungszubereitung, Raum- und Wäschepflege)
  • In der Anfangszeit  Beschäftigung in der Hauswirtschaft und bei der Haustechnik
  • Regelmäßiger Schulbesuch
  • Erledigung der Hausaufgaben
  • Themenbezogene intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung lt. Hilfeplanung
  • Unterstützung bei einer „sinnvollen“ Freizeitgestaltung
  • Eigenbeschäftigung bzw. intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung
  • Auseinandersetzung mit der Peergroup

Ebenso gehören regelmäßige und verbindliche Termine zur Alltaggestaltung:

Qualifizierte Eltern-, Familien- und Biographiearbeit

Um ein Mitwirken des Mädchens zu erzielen und somit ein Gelingen der Maßnahme zu gewährleisten, benötigen wir eine aktive Mitarbeit der Angehörigen.

Wir leisten intensive Elternarbeit, da die Mädchen und ihre Angehörigen i.d.R. bereits vielfältige Jugendhilfeerfahrungen und somit Erfahrungen des Scheiterns gemacht haben.

Unser Ziel ist es, die Angehörigen zu befähigen, sich aktiv an der Hilfe zu beteiligen und sich einzubringen. Hierbei geht es in vielen Gesprächen darum, eine Problemeinsicht bei den Angehörigen zu schaffen bzw. diese zu stärken und deren Ressourcen zu reaktivieren.

Oft bedeutet es aber vor allem, die Personensorgeberechtigten zu stärken, zeitweise täglich, die Maßnahme weiterhin zu befürworten, auch wenn das Mädchen Druck auf die Personensorgeberechtigten ausübt, die Maßnahme doch zu beenden.

Wir wünschen uns von den Angehörigen, dass diese einmal pro Monat zum Gespräch in die Einrichtung kommen. Dieses Gespräch findet teilweise auch in Anwesenheit des Mädchens statt, damit es uns als Einheit wahrnimmt.

Die Besuche/ Heimfahrten werden persönlich oder telefonisch ausgewertet und reflektiert.

Negative Vorerfahrungen der Angehörigen behindern die Arbeit bzw. bringen diese ins Stocken. Es ist uns wichtig diese Erfahrungen aufzugreifen und zu bearbeiten um gemeinsam neue Erlebnisse/ Erfahrungen machen zu können. Wir arbeiten sehr klar in der Rückmeldung, sind dabei nicht anklagend, sondern wertschätzend und ressourcenorientiert.