Familienanaloge Angebote: Im Inland

Erziehungsstelle (2 Plätze, ab 3 Jahren)

Prinzipiell richtet sich das Angebot der Erziehungsstelle an alle Kinder und Jugendlichen ab 3 Jahren, bei denen im Sinne des § 27 SGB VIII eine dem Wohl des Kindes entsprechende Erziehung nicht mehr gewährleistet ist, eine ambulante Hilfe nicht ausreicht, die mit der Gruppensituation einer stationären Gruppe/ Intensivgruppe überfordert wären und für die Hilfe in einer Erziehungsstelle geeignet und notwendig erscheint.

In der Regel weisen die Kinder/ Jugendlichen, die in Erziehungsstellen untergebracht sind, ein hohes Maß an Defiziten im sozial- emotionalen Bereich auf. Ihre bisherigen Erfahrungen mit familiären Bindungen sind oft gekennzeichnet von Instabilität, geringer Konstanz und Abbrüchen. Die Kontinuität des Bezugssystems der Erziehungsstelle soll den Kindern/ Jugendlichen ermöglichen, Defizite aufzuarbeiten, Ressourcen zu nutzen und stabile, belastbare Beziehungen zu erleben und aufzubauen.

Die berufliche Kompetenz der Betreuungspersonen eröffnet die Möglichkeit, dass besonders benachteiligte und besonders unterstützungsbedürftige Kinder und Jugendliche, die aufgrund seelischer Behinderungen, traumatischer Erlebnisse oder Verhaltensweisen in ihrer Entwicklung erheblich beeinträchtigt sin, in diesem Setting aufgenomen werden können. Ebenfalls Jugendliche mit Verwahrlosungstendenzen, Suchtgefährdung und Verhaltensauffälligkeiten bis zu 21 Jahren (im Einzelfall darüber hinaus), die einer stationären Maßnahme in Form einer Erziehungsstelle in Verbindung mit an der Persönlichkeit und den individuellen Ressourcen und Bedürfnissen ausgerichteten sozialpädagogischen Einzelbetreuung bedürfen und die mit einer weniger intensiven Hilfeleistung der Jugendhilfe überfordert wären.

Auftrag/Zielsetzung

Die Zielsetzung der Maßnahme ist es die Kinder/ Jugendlichen zu befähigen, sich altersentsprechend zu verhalten und sich in die Gesellschaft zu integrieren, so dass eine Rückführung in das Elternhaus oder eine auf längere Zeit angelegte Lebensform gelingen kann.

Einschränkende Interpretationsmuster der Umwelt, der Verhaltensmuster und/ oder Fehlinterpretationen lebensbiographischer Realitäten werden gemeinsam im pädagogisch- therapeutischen Prozess transparent gemacht und dadurch neue Haltungs- und Handlungsstrategien ermöglicht.

Die Zielsetzungen des Hilfeplans sind dabei als Maßstab gültig.

Die Kinder/ Jugendlichen werden in Fragen der schulischen/ beruflichen Ausbildung, der Beschäftigung und der allgemeinen Lebensführung ressourcenorientiert begleitet, unterstützt und gefördert. Ziel hierbei ist das Erlernen von lebenspraktischen Fertigkeiten, um den Alltag selbständiger und eigenverantwortlich bewältigen und eine realistische Zukunftsperspektive entwickeln zu können.

Das spezielle Angebot der Erziehungsstelle ist eine Form der stationären Jugendhilfe (§ 34 SGB VIII) und verfolgt den Grundgedanken, eine hohe Fachlichkeit und Professionalität mit dem privaten Rahmen einer Familie zu verbinden.

Die Erziehungsstelle besteht aus einer besonders qualifizierten Familie. Beide Partner haben eine pädagogische Ausbildung und verfügen über langjährige Berufserfahrung. Im Rahmen eines Kooperationsvertrages mit der NIEFERNBURG führt die pädagogische Fachkraft die Hilfeform in ihrem eigenen Familiensystem durch.

Ziel des Angebotes ist es, durch ein gemeinsames Leben in einem familienähnlichen Rahmen den Kindern/ Jugendlichen die Entwicklung eines individuellen Lebensentwurfes und einer autonomen Persönlichkeit zu ermöglichen.

Inhalt und Umfang der Erziehungsaufgaben orientieren sich am individuellen Bedarf der Kinder/ Jugendlichen. Wesentlicher Bestandteil ist eine persönliche Stabilisierung der Kinder/ Jugendlichen in der Begegnung und Auseinandersetzung mit ihrer alltäglichen Lebenswelt. Hierbei geht es vor allem um die Berücksichtigung der Bedürfnisse nach Akzeptanz, Vertrauen, Struktur und Eigenverantwortlichkeit, sowie nach Transparenz und Mitwirkung von Entscheidungen.

In der Verbindung von familiärer Alltagsgestaltung und Pädagogik bietet die Erziehungsstelle ein Milieu, das in besonderem Maße Sicherheit, Struktur, emotionale Akzeptanz und Nähe vermittelt.

Die Entwicklung sozialer Kompetenzen geschieht durch die Förderung des Zusammenlebens innerhalb und außerhalb der Familie.

Es wird angestrebt die Beziehung zur Herkunftsfamilie zu klären, unbewältigte Konflikte zu bearbeiten und die Versöhnungsarbeit zu unterstützen.